#70: Wechselwirkung von Hufbearbeitung und Physio - Interview mit Sarah Pfaffenbach (Teil 1)
Show notes
In dieser Folge spreche ich mit Sarah Pfaffenbach über die Wechselwirkungen von Hufbearbeitung und Physio. Ein Thema, was uns beide gleichermaßen begeistert und fasziniert. Und ein Thema, das sicher jede:n Pferdebesitzer:in irgendwann einmal betrifft. Die Hufe sind das Fundament. Sind sie in einem schlechten Zustand, kommt das ganze Pferd aus der Balance. Und umgekehrt zeigen sich Probleme des Bewegungsapparats immer auch in den Hufen.
Mehr über Sarah erfährst du unter www.fitundpferdig.com oder auf Instagram @fitundpferdig
Show transcript
00:00:00: Hallo und herzlich willkommen bei Pferd und Mensch im Balance. Dein Podcast zu den Themen
00:00:06: Hofgesundheit, stressfreie Hofbearbeitung und dem Aufbau einer vertrauensvollen Pferd-Mensch-Beziehung.
00:00:12: Ich bin Sarah Soman, Hofplägerin, Pferdeverhalten-Beraterin und Wirtschaftspsychologin und du
00:00:19: bekommst von mir in diesem Podcast jede Woche hilfreiche Tipps und Wissen, um die Hofgesundheit
00:00:25: deines Pferdes zu stärken und eine vertrauensvolle Beziehung zu deinem Pferd auf und auszubauen.
00:00:31: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Podcast-Folge. Ich habe heute wieder eine
00:00:41: Gästin mit dabei und zwar die Sarah Faffenbach, die ich vor allem aus meiner Ausbildung zur Pferde
00:00:46: Physiotherapeutin kenne, denn sie ist dort die Leitung der Ausbildung und von ihr habe ich
00:00:52: ganz viel schon lernen können. Aber Sarah, stelle dich doch mal gerne selber vor. Wer bist du und
00:00:56: was machst du? Ja, hallo. Ich freue mich sehr, dass ich dabei sein darf. Ich bin Sarah Faffenbach,
00:01:03: bin 33 Jahre alt und habe einen kleinen Hof in der Nähe von Kassel, der auch als Schulstandort
00:01:11: fürs LTZ dient, wo ich eben die Studiengangsleitung für den Bereich Physiotherapie und Osteopathie
00:01:17: beim Pferd habe. Und ja, bei mir am Hof nehme ich ab und zu auch ein paar Reha-Pferde, habe ein paar
00:01:24: Einsteller, gebe ein bisschen Unterricht. Genau und ansonsten bin ich aber quer durch Deutschland
00:01:28: unterwegs, um eben neue Physios und Osteos im Pferdebereich auszubilden. Ja, sehr spannend. Sarah,
00:01:35: erzähl doch mal, bist du schon immer in dem Bereich tätig gewesen oder hat sich das im
00:01:40: Laufe der Zeit erst entwickelt? Das hören die Zuhörer*innen immer total gerne, so diesen Weg
00:01:46: dahin, ein Pferde-Profi. Ja, nee, also ich komme aus einer Nichtreiter-Familie, da mir hat es angefangen
00:01:53: mit dem Imhof, meine Mama bereuts glaube ich heute noch manchmal, dass sie mir das drauf gemacht
00:01:58: haben und nachdem ich das erste Mal Tribültrabbelpony gehört habe, war es dann um mich geschehen und
00:02:04: dann ja stand ich auf mehreren Wartelisten für ein Reitunterricht und habe dann mit knapp sechs
00:02:11: angefangen zu reiten und meine Großeltern haben einen Resthof, was jetzt eben mein Pferdehof ist
00:02:18: und da war es schon immer mein Traum, dass da ganz, ganz viele Pferde und Pondys drin rumstehen.
00:02:22: Da bin ich mit Freunden früher immer durchgelaufen und da war alles noch zugestellt, weil war 30
00:02:27: Jahre Leerstand darin, nachdem die die Kühe und Schweine abgeschafft hatten. Ja und dann habe ich
00:02:35: erst mal Abi gemacht, weil ich irgendwie wusste, ich will was mit Pferden machen, aber noch nicht
00:02:39: so richtig wusste, was genau und da war meine Familie und noch nicht so überzeugt worden,
00:02:42: dass das wirklich der richtige Weg ist. Also ich hatte mit zwölf dann mein eigenes Pferd bekommen,
00:02:47: mein erstes, das war eine Hannoverranastute, riesengroß mit einem Meter 86 zur Hälfte Vollblut.
00:02:54: Mir natürlich total überlegen, auch erst vier Jahre alt und viele gesundheitliche
00:02:58: Baustellen waren, Koppau hat ständig gekolect, hat auch leider nur vier Jahre bei mir gelebt und
00:03:05: ist dann an der Kulik eben auch gestorben, aber das war halt schon so dieses Interesse an Gesundheit
00:03:10: beim Pferd. Also ich habe mich halt tatsächlich in einem Alter, wo man wahrscheinlich sonst eher
00:03:14: mit Reiten beschäftigt ist, eben mehr mit der Gesunderhaltung meines Pferdes beschäftigt als
00:03:19: viele andere, glaube ich, in dem Alter. Ja, dann habe ich nach dem Abi auf einem großen Fähnreiter
00:03:24: Hof ein Jahrespraktikum angefangen. Meine Eltern waren aber noch so ein bisschen, ja,
00:03:28: mach doch bitte erst mal eine Ausbildung, Studium war für mich irgendwie raus, weil alles, was ich
00:03:33: hätte studieren können, hätte irgendwie nicht sofort einen Effekt gehabt und so. Also es war so ein
00:03:37: bisschen, ja, stand so in der Schwebe und dann hatte eine Kleintreepraxis hier einen Ausbildungsstelle
00:03:44: ausgeschrieben, da habe ich mich dann beworben auf Drängen meiner Mama, war beim Nachgang auch
00:03:51: nicht schlecht. Also es hat tatsächlich, glaube ich, für das, was ich jetzt tue auch geholfen. Genau und
00:03:57: dann habe ich da die Ausbildung gemacht und nachdem ich dann mein erstes Kind bekommen hatte, war
00:04:03: ich schon die ganze Zeit so der Gedanke, ich müsste irgendwie was anderes machen. Ich konnte dann in
00:04:06: der Praxis nicht mehr arbeiten wegen den Arbeitszeiten, das ging mit Kind einfach nicht mehr, war
00:04:10: dann auch relativ schnell allein erziehend und irgendwann habe ich dann den Schritt gewagt und die
00:04:15: Physioausbildung gemacht, dann aber auch eine Zeit lang gar nicht in dem Bereich so wirklich
00:04:19: gearbeitet. Was ich aber nebenher immer gemacht habe, war der Reitunterricht, weil ich hatte irgendwie
00:04:23: von meiner Schwester dann noch zwei Ponys übernommen und die mussten sich ja irgendwie über Wasser
00:04:27: halten mit dem klicklichen Ausbildungsgeld, was man damals noch bekommen hat. Ja und so kam
00:04:32: dann eins zum anderen. Also ich habe im Unterricht schon immer vieles anders gemacht als andere,
00:04:36: natürlich auch viel falsch gemacht erst mal, aber dann halt eben auch gelernt. Also mir war es
00:04:41: wichtig, die Ponys und Pferde, die ich stehen hatte, waren immer schon irgendwie, dass die mal
00:04:45: Handicaps hatten oder sowas, einfach Berufskrankheit, glaube ich, dass man dann nicht nein sagen kann.
00:04:50: Und ich habe aber gemerkt, dass das total gut ist, weil man gegenseitig was mitnehmen kann.
00:04:55: Also die Ponys durften im Rahmen dessen, was sie leisten konnten, noch eine Aufgabe haben und die
00:05:01: Kinder und Erwachsenen, die bei mir geritten sind, hatten aber einen Pferd mit einer Geschichte vor
00:05:05: sich und konnten halt anders reiten als dieses Klassische in der Abteilung hintereinander
00:05:10: herdümpeln, auf ein gesattetes Pferd setzen. Also es ging halt viel auch da schon um Kommunikation,
00:05:15: Rücksichtnahme, Lernen, wie die Parameter für Gesundheit aussehen. Also ja und dann hat mein
00:05:23: damaliger Partner die Hufausbildung angefangen, einfach aufgrund dessen, dass wir eben immer
00:05:29: Probleme hatten, einen passenden Hufschmied für unsere Pferde zu finden, der auch so häufig kommt,
00:05:33: wie es nötig war. So eins meiner Pferde hat ständig sich das Eisen abgetreten, aber der
00:05:37: konnte ohne Eisen nicht laufen und alle zwei Wochen waren die Eisen ab, aber der Schmied kam
00:05:41: aus Zeitmangel nur alle acht Wochen, dann habe ich sechs Wochen Problem gehabt oder konnte ihn
00:05:45: halt nur in die Ecke stellen. Und dann hat er diese Ausbildung gemacht und durch Umwege bin ich
00:05:50: dann dazu gekommen, dass der Ausbilder dort gefragt hatte, ob ich mal so ein Anatomietag für
00:05:55: die Hufleger übernehmen könnte und daraus ist dann der Standort bei uns entstanden und daraus
00:06:01: ist relativ schnell danach der komplette Physiozweig entstanden. Ja super spannend, weil die Themen ja
00:06:06: auch wirklich gut zueinander passen. Lass uns da doch mal direkt ins Thema einsteigen. Wir
00:06:11: wollen ja heute über das Thema Zusammenhänge zwischen Huf und Körper sprechen, warum das so
00:06:16: wichtig ist und erzähl doch mal aus deiner Sicht, wie wichtig dieser Zusammenhang aus der Physioperspektive
00:06:22: ist. Also es steht und fällt eigentlich alles mit dem Huf und aber auch der Wechselwirkung. Ich
00:06:27: glaube, was es am bildlichsten darstellt, ist wirklich, wenn jeder, der mit Pferden zu tun hat,
00:06:32: sich mal fragt, welche Hufformen trifft er denn häufig und da wird relativ schnell klar. Natürlich
00:06:38: gibt es Unterschiede. Der eine hat einen Flachhof, der andere hat einen Bockhof und da gibt es immer
00:06:42: Unterschiede. Aber wenn man die breite Masse an Pferden einfach mal drauf guckt, sieht man schon,
00:06:47: dass sich da vieles ähnelt. Und das ist das erste, glaube ich, was wir in der Physioperspektive
00:06:52: auch immer erst mal, wo wir starten mit unserem Blick, ist ja die natürliche Schiefe. Die eigentlich
00:07:00: ja natürliche Schiefe heißt, weil sie natürlich ist und erst mal nichts Krankhaftes. Jeder will
00:07:04: aber trotzdem gegenarbeiten und es kommt ja daher, dass es viele Faktoren gibt, die die natürlich
00:07:08: Schiefe, die einem Wildpferd gar nichts schadet, eben bei unseren domestizierten Pferden, was das
00:07:14: eben verstärkt und was sich dann auf die Hufform auswirkt und wenn die Hufform einmal verändert
00:07:19: ist, ist natürlich die Auswirkung auf oben auch wieder stärker. Es potenziert sich immer gegenseitig,
00:07:25: bis man dann die gängigen Probleme hat, Sehenschäden, Atmosen usw. Da kommen natürlich auch die
00:07:31: Nutzung des Pferdes immer noch mit dazu, aber es ist halt immer eine Wechselwirkung. Klar,
00:07:35: auch Haltungsbedingungen können ja auch erst den Huf verändern und dann den Körper. Also
00:07:39: es geht immer in beide Richtungen. Es kommt von oben, es kommt von unten, aber es hängt halt einfach
00:07:43: zusammen. Man kann den Huf nicht einfach gesondert sehen. Wenn denn jetzt der Huf der Auslöser des
00:07:50: Problems ist, wo siehst du da dann die Auswirkung auf den Bewegungsapparat, wie entwickelt sich dann
00:07:57: so eine Problematik über die Zeit hinweg? Ich glaube als erstes tatsächlich sieht man es oder merkt
00:08:03: man es dann in der Muskulatur bzw. in den Bewegungsabläufen, dass wir relativ schnell eine
00:08:08: Taktverzögerung zum Beispiel drin haben. Also so ein Millimeter mehr Huf an einer Wand als auf
00:08:15: der anderen Seite oder im Vergleich zum Gegenhof macht ja nach oben hin über den langen Hebel des
00:08:21: Beins. Also wir können das natürlich nicht komplett mit Hebel gesetzen. Irgendwie, da ist man ja jetzt
00:08:25: so im Gespräch, Biomechanik, Böses, Biotensikrität. Da müssen natürlich immer diese Faktoren mit
00:08:30: eingerechnet werden. Das ist immer ein Kettenarbeit und man nicht eins zu eins umrechnen kann, wie viel
00:08:35: mehr Gewicht denn jetzt oben ankommt. Aber wenn wir gerade die Vorhand sehen, da haben ja viele
00:08:39: Pferde mit nationalen Zehe, viele Pferde, die eher flache Hüfe haben, was eben durch vermehrte
00:08:44: Rückzieharbeit der Vordergliedmaße entsteht. Wenn wir da einen Überstand haben, also zu viel
00:08:50: Horn, potenziert sich das nach oben so sehr, dass dieses Gewicht, was anders angehoben werden muss,
00:08:55: eben schon eine Taktverzögerung macht. Und diese Taktverzögerung sehen wir als erstes in den
00:09:00: Hauptbewegern. Also ausgewirkt wird es natürlich eigentlich eher sogar in der Tiefenmuskulatur,
00:09:05: aber die sehen wir ja nun mal nicht im ersten Schritt. Und dann über lange Zeit halt in so was wie
00:09:11: Sehnen, Bändern und dann halt auch im Knochen, also über atrotische Veränderungen. Würdest du denn sagen,
00:09:18: dass solche krankhaften Veränderungen, dass jetzt gerade atrotische Veränderungen angesprochen,
00:09:22: dass die häufiger ausgelöst sind durch schlechte Hüfe, die sich dann in den Bewegungsapparat
00:09:27: übertragen oder ist da die muskuläre Thematik häufig als erstes oder kann man das gar nicht so
00:09:33: genau sagen? Ich glaube, das kann man gar nicht sagen, weil es eben so stark in der Wechselwirkung
00:09:38: ist. Die Haltung wäre ja etwas, was die Hüfe am stärksten beeinflusst. Das heißt, wenn man jetzt
00:09:44: einen Pferd sehr naturnah hält mit unterschiedlichen Böden, würde das ja relativ gut über einen
00:09:49: längeren Zeitraum auch eine mangelnde Hufpflege kompensieren können. Das heißt, man kann gar nicht
00:09:54: so, dass so eins zu eins übersetzen und dann kommt es ja auch noch auf die Zuchtrichtung an. Das muss
00:10:00: man, finde ich, heute wirklich hervorheben, dass es sehr stark auch darauf ankommt, wie vererben
00:10:06: sich bestimmte Dinge und da sind wir, glaube ich, noch gar nicht so richtig im Bild. Natürlich gibt es
00:10:11: dazu Forschung, aber viele, viele Jahre hat man eben relativ schnell Pferdeaufleistungen auf
00:10:17: Aussehen, auf bestimmte andere Merkmale gezüchtet und wir sehen es sowohl am Gebiss an den Sehnen,
00:10:23: die übrigens auch eine starke Wechselwirkung mit den Hufen hat, als auch eben an der
00:10:28: Hufgesundheit. Das ist einige Zuchtlinien gibt, wir hatten mal einen Hufflinger bei uns stehen aus
00:10:34: einer Linie, wo schlechte Hüfe schon bekannt waren. Der musste zweijährig schon beschlagen werden,
00:10:39: weil nichts mehr möglich war, weil er sich auf der Wiese, auf einer riesengroßen Koppel in einem
00:10:45: trockenen Sommer die Hüfe so abgelaufen hat, dass da kaum noch was übrig war. Und er war gut
00:10:50: mineralisiert, das Blutbild war völlig in Ordnung, aber die Hüfe waren einfach morgens, muss man sagen.
00:10:55: Also da sind so viele Faktoren, die da rein spielen, Haltung, Zucht, Nutzung und so weiter, auch die
00:11:02: psychischen Faktoren, was immer so mit rein spielt. Und das wirkt sich genauso auf den Huf aus, wie
00:11:06: es auf den Körper auswirkt. Also alleine eine veränderte Futter-Situation führt ja dazu, dass
00:11:12: zum Beispiel der Blinder mehr aufgast und der Blinder sitzt mehr rechts, das macht die natürliche
00:11:16: Schiefe stärker und das ist natürlich erst mal oben und dann sofort aber auch am Huf. Ja, ist
00:11:23: wieder so der Hinweis darauf, dass das Thema komplexer ist, als wir uns das manchmal wünschen.
00:11:27: Man wünscht sich ja in der Praxis häufig, dass man ja ein bisschen mehr Physiotherapie
00:11:31: macht, ein bisschen mehr Hufbearbeitung und dann ist die Problematik ausgemerzt und verhindert,
00:11:37: aber so komplex wie es nun mal ist, ist es so einfach nicht zu lösen. Das finde ich auch immer
00:11:42: wieder spannend. Würdest du denn sagen, dass jedes Pferd regelmäßig auch physiotherapeutisch
00:11:50: gecheckt werden sollte, behandelt werden sollte, um eben auch auszuschließen, dass die körperliche
00:11:56: Thematik eben sich auch negativ auf die Hufsituation auswirkt? Wie ist das so deine Haltung zu?
00:12:01: Ja, auf jeden Fall. Also ich bin sehr häufig damit konfrontiert worden, auch vorher, bevor ich
00:12:07: die Physiö überhaupt gemacht habe, dass da immer noch so Sätze sich halten wie "Na ja, in der Natur
00:12:11: haben die ja auch keinen Physiotherapeutin, ja, aber in der Natur sitzt da auch keiner drauf und
00:12:17: ja, richtig reiten reicht, ja, aber woran merken wir denn, ob wir richtig reiten? Also ich sage mal
00:12:22: bei uns zum Beispiel, wir wissen sogar um unsere Körperhaltung, wir wissen sogar was gesund
00:12:28: und was nicht gesund ist. Also ich glaube, wenn man gerade bei den sozialen Medien die Werbung,
00:12:32: die da geschaltet werden, die sind bei mir wahrscheinlich auch berufsbedingt geflutet von
00:12:37: gesundheitsfördernden Maßnahmen, irgendwelchen Hilfsmitteln, die dafür sorgen, dass man eben,
00:12:42: wenn man vom Computer sitzt, eben nicht die Schultern so hängen lässt und was auch immer. Also wir
00:12:47: wissen darum und setzen es trotzdem nicht komplett um. Jetzt wissen wir beim Pferd auch schon vieles,
00:12:52: aber nicht alles und ich glaube tatsächlich, dass viel wichtiger als dieses ständige Manipulativ
00:12:58: einwirken, also sei es Hufbearbeitung oder auch Therapien in jeglicher Form, egal ob Physio oder
00:13:03: Ostio, ja, also muss ich noch dazu sagen, Ostio-Patriot-Ausbildung habe ich auch gemacht,
00:13:08: habe ich jetzt in der Einleitung gar nicht gesagt, da kommen wir glaube ich nachher noch mal bei
00:13:10: einer Frage zu, was so der Unterschied zwischen Physio und Ostio ist und warum ich mich bewusst
00:13:15: meistens eher Physio als Ostio nenne, ist glaube ich auch noch mal spannend für viele. Aber ich glaube,
00:13:20: viel wichtiger als diese manipulative Einwirkung ist die Aufklärung, weil viele Probleme im
00:13:25: Haus gemacht sind. Man meint es gut und macht es aber falsch, weil wir Menschen nun mal so sind,
00:13:31: dass wir erstmal, wenn wir ein komplexes Problem vor uns haben, einzelne Bereiche rausnehmen,
00:13:36: die analysieren und versuchen, die zu verbessern. Und das funktioniert beim Pferd eben nur geringfügig,
00:13:42: weil wir nicht zum Beispiel eine Wirbelsäule isoliert angucken können. Weil das, was wir
00:13:48: uns vorstellen, was passiert, wenn ein Pferd den Kopf hoch oder runter nimmt, das funktioniert in
00:13:52: der Wirbelsäule so aber nicht wirklich, wenn wir sie im ganzen Komplex sehen, weil wir können sie
00:13:58: halt nicht einzeln rausnehmen. Ja, in der Theorie passt das alles. Mit Kopfhaltshaltung kann man sich
00:14:03: super erklären und es ist heute total überholt. Ja, und dann, den die Leute da in den Sinn vor
00:14:07: zwei Füllt, weil alles, was sie gelernt haben oder vieles, was sie gelernt haben, vielleicht
00:14:11: irgendwann nicht mehr war ist. Aber da müssen wir uns glaube ich mehr freimachen, mehr gesunder
00:14:16: Menschenverstand, mehr Aufklärung, weniger Meinung, mehr Wissen, das ist vielleicht auch noch mal ganz
00:14:21: wichtig und hinspüren vor allen Dingen. Und ich glaube, dabei kann halt regelmäßige Therapie
00:14:27: helfen. Also ich arbeite zum Beispiel auch so, dass ich halt relativ regelmäßig bei den Pferden
00:14:32: bin und nicht versuche Schäden aufzuräumen. Also ich sehe mich da jetzt irgendwie nicht als, ja,
00:14:39: ich repariere da irgendwas, sondern ich schaffe die Basis, um darauf aufbauen, mit immer mehr
00:14:45: Wissen, was ich so ein bisschen stückel, weil ich meine, jeder hat noch einen eigenen Alltag,
00:14:49: jeder hat einen anderen Job. Und wenn jetzt jemand nicht professionell mit Pferden arbeitet, dürfen
00:14:53: wir von dem glaube ich auch gar nicht erwarten, dass der alles weiß, was wir wissen. Aber wir
00:14:58: können eben diese Flut an Informationen, die man jetzt heutzutage im Internet frei zugänglich
00:15:02: findet oder auch in Büchern und so dürfen wir noch mal kanalisieren. Und da kann halt jeder gucken,
00:15:09: welcher Therapeut, welcher Hufleger zu ihm passt, damit er der richtige Ansprechpartner ist. Und
00:15:14: wenn dann Tierarzt und so auch noch mitspielen und man da wirklich eine gute Symbiose draus macht,
00:15:19: dann hat man das Beste für sein Pferd geschafft. Also ich glaube, ohne solche therapeutischen
00:15:23: Maßnahmen geht halt oft viel schief, weil auch die Trainer mehr geschult werden dürften nicht
00:15:28: nur in Hinsicht, wie sollte es aussehen, so ein Sitz, sondern wann hilft er dem Pferd? Nach dem Motto
00:15:37: "ne Hilfe ist ne Hilfe, wenn sie hilft". Und dafür muss ich eigentlich die Muskeln verstehen, die das
00:15:41: machen, weil dann weiß ich doch auch, wann wäre es fürs Pferd am logischsten? Wo sollte ich denn den
00:15:45: Reiz setzen, damit es auch muskulär und körperlich Sinn macht? Ja, das ist ja häufig in der Praxis
00:15:52: tatsächlich nicht so, wenn man ein Lehrer ist oder gerade hier bei uns auf dem Land, da gibt es
00:15:56: auch viele selbsternannte Reitlehrer, die gar keine Ausbildung haben. Und da ist das natürlich
00:16:00: schwierig dann auch, das umzusetzen, ohne denen jetzt irgendwie einen Vorwurf machen zu wollen.
00:16:03: Aber da gehört dann halt einfach viel Weiterbildung dazu, um das tatsächlich auch umsetzen zu können.
00:16:09: Ja, genau. Jetzt hast du gerade schon das Thema Frequenz der Physiotherapie angesprochen. Oft
00:16:16: wird ja von uns als Physiotherapeuten auch erwartet, dass wir ja wie so eine Art Wunderheiler
00:16:21: unterwegs sind, eine Behandlung umsetzen und Schwups ist das Problem gelöst. Das hast du ja
00:16:27: gerade schon so ein bisschen angeteasert, dass das womöglich nicht der richtige Weg ist. Magst du
00:16:31: da mal kurz einsteigen? Ja, gerne. Also im Prinzip ist ja Physiotherapie und das können wir uns und
00:16:38: da haben wir glaube ich den anderen Punkt dann auch schon fast mit abgehakt. Also im Prinzip ist
00:16:42: ja Physiotherapie und das kennen wir von der Humantherapie. Ist ja viel mit Krankengemastik
00:16:46: verbunden. Klar, viele denken auch, wenn man erstmal das Wort hört an Massagen und deswegen wird
00:16:51: glaube ich fürs Pferd auch häufiger der Osdeo als der Physio gerufen, weil das noch so in den
00:16:55: Köpfen drin ist. Der massiert ja nur, was ja Quatsch ist, weil in der Humantherapie kriegen
00:16:59: wir die Rezepte ja nicht für die Osdeo, sondern für die Physio, weil das eben das ist, wo wir
00:17:03: lernen mit unserem Körper besser umzugehen, wo wir eine neue gesunde Körperhaltung lernen. Und
00:17:10: das ist mir zum Beispiel in der Therapie total wichtig, dass die Pferde nachspüren. Also es ist
00:17:15: immer noch so häufig so, dass ich sehe, die Pferde werden am besten noch angebunden, dann von
00:17:20: vorne bis hinten durchbehandelt oder durchgeknetet und dann werden die vielleicht vorher macht man
00:17:26: eine Ganganalyse, hinterher lässt man die einmal laufen, fertig. Und mir ist es eigentlich total
00:17:29: wichtig und es glaubt das auch die Erfahrung, die die Schüler wirklich jetzt schon in der breiten
00:17:33: Masse gemacht haben, dass der kleine Verne Unterschied wirklich das ist, dass das Pferd nachspürt,
00:17:38: weil die Propezeption, also die Körperwahrnehmung des Pferdes, das ist eigentlich das, worum es geht.
00:17:43: Wir müssen ein Pferd, was horizontal gebaut ist, also da werden jetzt viele, das können wir jetzt
00:17:49: nicht in der Tiefe besprechen, aber Pferde sind ja eigentlich horizontal gebaut, also die sollen sich
00:17:55: ja fortbewegen, die sind ja nicht innerhalb von Zäunen, also so ein Wildpferd. Und unsere Pferde,
00:18:02: egal, ich meine in Amerika wird es vielleicht noch möglich sein bei diesen vielen Hektaranwiese,
00:18:06: dass ein Pferd auch ungeritten und ungearbeitet ein gutes Horizontal ist, sage ich mal,
00:18:11: Leben führen kann. Bei uns kommen immer irgendwann Zäune, sie sind immer in der Bewegung doch ein
00:18:16: bisschen eingeschränkt, egal wie groß die Wiesen dann auch letztendlich sind oder egal wie gut
00:18:20: der Aktivstall geführt ist, sie sind immer eingeschränkt, bewegen sie deutlich weniger.
00:18:23: Heißt, sie leben in einer vertikalen Welt, ohne dass jetzt auf irgendeine bestimmte Linie oder
00:18:30: bestimmte Schwingung innerhalb der Reizsäne zurückführen zu wollen, also ich will ganz neutral
00:18:34: sagen, einfach nur das Wort horizontal und vertikal, wir sind ja vertikal, wir stehen auf zwei
00:18:39: Beinen und wir bewegen uns in einer Welt, die halt eben um Zeunt ist, die eingegrenzt ist und das fährt
00:18:45: jetzt eben auch. Das heißt auch Pferde, die nicht geritten werden sollten eigentlich daran,
00:18:49: sollten lernen, wie sie in diesem um Zeunten Areal leben können und sich gesund erhalten,
00:18:56: bewegen können und das ist ja das eine Trageerschöpfung, ist ein Wort, was total in aller
00:19:00: Munde ist und das betrifft ja auch nicht gerittene Pferde, das muss man einfach auch so sagen,
00:19:05: das heißt es geht eigentlich gar nicht so sehr um gute Reitpferdekwalitäten erstmal in erster Linie,
00:19:13: sondern um, finde ich mal, in dieser Welt zu Recht, wo du weniger Bewegung hast, wo du Zäune
00:19:19: hast, wo du nach oben spüren musst und dann ist wieder die Zucht das Thema, wie klein war das
00:19:24: Urpferd und in wie schneller Zeit oder überhaupt die Pferde auch im Barock noch und so, die waren
00:19:30: relativ klein, die Menschen waren ja auch viel kleiner, wir sind ja auch total gewachsen in den
00:19:34: letzten Jahrhunderten, also das ging ja rasend schnell im Verhältnis zur Evolution und bei den
00:19:40: Pferden auch, also die waren dann, sehen wir ja jetzt in Fallabella im Vergleich zu einem Scheierhorst,
00:19:45: das macht was mit dem Nervensystem, weil die Evolution ja gar nicht die Zeit hatte, sich
00:19:49: komplett anzupassen, das heißt jetzt nicht, dass so ein Pferd keine Empfindungen hat, wenn es ganz
00:19:53: groß ist, aber wir merken das schon gerade eher bei größeren Pferden, ich glaube die Erfahrung macht
00:19:58: eher auch in der Hufbearbeitung, dass es denen schwerer fällt die Balance zu halten, dass die doch
00:20:03: oft daran erinnert werden müssen und das merkt man bei diesen Aussagen von den Reitern, ja, die
00:20:08: muss man mehr zusammenschieben, die muss man mehr zusammenhalten, ja, warum hat man das Gefühl,
00:20:13: man muss sie mehr zusammenhalten, weil sie ihre Hinterkare, umgangssprachlich gesprochen, nicht
00:20:20: so richtig unter Kontrolle haben, wenn die halt eine schlechte Körperwahrnehmung haben, aber je mehr
00:20:24: ich als Mensch der Eingreifer und Zusammenschnüre, desto schlechter wird die Körperwahrnehmung ja
00:20:29: auch, das heißt es ist wirklich wichtig, das regelmäßig einzubauen und ich versuche das ja
00:20:36: auch den Besitzern mitzugeben, ich will ja gar nicht jede Woche bei denen automatisch stehen,
00:20:39: ich möchte, dass die lernen, wie kannst du deinem Pferd beibringen, sich daran zu erinnern,
00:20:44: ach, das war die richtige Haltung, ich sage immer, ich vergleicht das immer gerne mit einer Werbung,
00:20:48: ich will jetzt keine Markennamen nennen, aber kann eine Apothekenwerbung sein oder so was und
00:20:54: schwupps sitzen wir gerade, kann für ein Schmerzmittel sein, kann für eine Seilbesein, die gegen
00:20:58: Schmerzen hilft, kann für irgendwelche Hilfsmittel sein, wir gucken das oder hören das und setzen
00:21:03: uns automatisch gerade hin, weil uns dann auffällt, ah nee, so war nicht gut für meinen Drücken.
00:21:07: Und das müssen wir eigentlich beim Pferdauslösen, das muss man halt den Besitzer beibringen und das
00:21:12: muss man parallel mit Techniken dem Pferd beibringen, zusätzlich zu allem, was wir sonst eben an
00:21:17: Erkrankungsbehandlungen haben, da sind wir ja dann noch weit von weg, aber jedes gesunde Pferd
00:21:22: sollte das auch lernen, das heißt Physiotherapie, Osteopathie wäre auch für ein gesundes Pferd
00:21:27: wichtig, vorbeugend, als vorbeugende Maßnahme und ich glaube der Therapeult kann zusätzlich zum
00:21:32: Trainer ein super Ansprechpartner sein, wenn es darum geht, ein Pferd langfristig gesund zu
00:21:38: erhalten oder auch Probleme auf die Spur zu kommen, also wenn der Tierarzt immer wieder
00:21:43: Kohliken behandeln muss, dann darf auch der Physio Osteo mal schauen, ob bis was mit der
00:21:48: Wirbelsäule zum Beispiel zu tun hat oder mit den Rotationen einfach der Wirbelsäule, mit Länden,
00:21:53: Wirbelsäule und so weiter. Ja, da finde ich auch noch mal so diesen Transfer ganz wichtig,
00:21:59: dass man eben, wie du das gerade schon gesagt hast, eben nicht nur auf der Steilgasse behandelt,
00:22:03: sondern wirklich dann auch dem Besitzer immer wieder an die Hand gibt. Wie kannst du das denn mit
00:22:08: der Bewegung dann tatsächlich auch in Verbindung bringen und eher so eine Bewegungstherapie
00:22:13: draus machen, statt nur manuell am Pferd zu therapieren. Das ist ja auch der Trend, wo es immer
00:22:20: mehr hingeht, aber bei vielen ist es dann auch doch noch nicht so angekommen, dass man selber als
00:22:25: Besitzer das dann auch weiter machen muss, dass es nicht nur bei dieser Einbehandlung bleibt,
00:22:29: sondern dass die Zeit dazwischen eben eigentlich noch viel wichtiger ist, finde ich, als die Therapie
00:22:33: Einheit an sich. Ja, und ich glaube, da sind auch die Konzepte, die ja jetzt viele Hofbearbeiter,
00:22:40: Hofschmiede schon mit reinnehmen, was du ja auch so machst, die Besitzer eben zu betreuen, weil genau
00:22:45: das ist ja auch, wenn ich in kleinen Schritten die Bewegung des Pferdes verbessere und parallel
00:22:50: in kleinen Schritten vielleicht mit 1-2 Raspelstrichen schon was bewirken kann zwischen den Terminen,
00:22:56: wo der professionelle Hofbearbeiter da ist. Ich glaube, das ist ja auch so was. Wir wissen mittlerweile,
00:23:01: die Intervalle sollen kürzer sein, als sie es früher waren. Früher waren 8 bis 12 Wochen normal.
00:23:06: Da hat man Eisen drunter gemacht und das musste dann mal 12 Wochen halten. So was aber zwischenzeitlich
00:23:11: mit dem Körper und den Hufen und so weiter passiert und da das mehr Gewicht dran ist,
00:23:15: weil die wachsen ja nun mal auch. Jetzt habe ich noch einen Beschlag vielleicht drunter,
00:23:18: der Gewicht hat. Das muss man alles einrechnen und das Pferd kann kein direktes Feedback
00:23:23: sprachlich geben. Wir können sagen, oh, der Schuh macht mir Muskelkater. Meine Tochter hat
00:23:27: zu Weihnachten Schuhe bekommen mit so Rollen drin, die man ausfahren kann. Und ich glaube,
00:23:32: das kann man gut übertragen. Die sind ein bisschen schwerer als so normaler Schuh und die hatte
00:23:39: unheimlich Muskelkater und lief auch wirklich am zweiten Tag schon nicht mehr so ganz rund. Sie
00:23:45: kann das sagen und kann die Schuhe abstreifen. Das kann das Pferd dann halt eben nicht, was
00:23:49: jetzt nicht pro oder kontra Beschläge sein soll hier, sondern einfach nur diese Auswirkungen
00:23:53: zeigen. Und wie eng marschige ich das?
00:23:58: betreuen kann, desto eher sehe ich natürlich Veränderungen. Und da gehören alle zusammen.
00:24:00: Da gehört in erster Linie der Besitzer hin, der gewillt ist mitzuhelfen und der gewillt ist auch
00:24:04: was zu lernen und eben nicht die Verantwortung nur an Fachleute abgibt. Und da gehören dann die
00:24:09: Fachleute hin, die regelmäßig ansprechbar sind und ihre Angebote so anpassen, dass die so passend
00:24:16: sind, dass jeder etwas davon hat. Also sie selber müssen natürlich davon leben können, aber ich
00:24:20: finde die Angebote so zu gestalten, dass der Besitzer sie regelmäßig in Anspruch nehmen kann,
00:24:25: das gehört heutzutage genauso mit rein. Weil sonst passiert wieder das. Ich mache mir die Bücher
00:24:30: voll, wie viele Therapeuten sagen, naja ich komme dann in einem Jahr wieder oder wir machen schon
00:24:35: mal einen Termin für in einem Jahr. Ja, aber was in der Zwischenzeit, Frühling, Sommer, Herbst
00:24:39: und Winter, da verändert sich so viel, Fellwechsel, Weidezeit, wieder rein, mehr Arbeit, weniger Arbeit.
00:24:45: Und diese Angebote eben, wie gesagt, mit dem Selbstraspeln hört sich ja immer so professionell
00:24:50: anfündig, aber es ist ja eigentlich genau das, man erklärt dem Besitzer, wie es eigentlich sein
00:24:54: sollte, was die individuellen Baustellen des eigenen Pferdes sind und kann fürs Pferdgewehr leisten,
00:24:59: du hast immer einen bequemen Huf, nicht nur alle vier bis sechs Wochen und dann zwei Wochen nicht,
00:25:05: weil es wieder nachwächst, sondern immer. Ja, und ich muss wirklich aus der Erfahrung heraus sagen,
00:25:12: dass viele Pferde damit deutlich besser zurück zurechtkommen als mit diesen sehr invasiven
00:25:16: Bearbeitungen, weil es soll ja genau dahin gehen, dass wir weniger invasiv bearbeiten müssen und
00:25:21: das Pferde einfach, wie du es gerade gesagt hast, immer bequeme Füße hat und das gar nicht so
00:25:25: ausartet und da auch vielleicht noch mal einen Einschub zum Thema Beschlag, weil du das gerade so
00:25:30: gesagt hast, du möchtest weder pro noch kontrabeschlag argumentieren. Ich lade da aber immer gerne zu
00:25:37: allen mal zu hinterfragen, warum ist das Pferd denn eigentlich beschlagen? Brauch es das, weil es
00:25:42: wirklich irgendwelche körperlichen Themen hat, wo wir bewusst vielleicht den Hufmechanismus stilllegen
00:25:47: wollen oder einschränken wollen oder weil der Abrieb wirklich tatsächlich nicht so reguliert
00:25:53: werden kann, weil die Böden vielleicht zu hart sind oder beschlägt man vielleicht auch einfach nur,
00:25:57: weil man es immer so gemacht hat und hat es noch gar nicht richtig hinterfragt und ich glaube,
00:26:01: da dürfen wir in vielen Bereichen hinkommen, einfach mal zu hinterfragen, warum machen wir
00:26:05: die Dinge, wie wir sie machen, weil wir sie immer so gemacht haben oder hat es tatsächlich auch
00:26:09: einen wirklichen Hintergrund für das jeweilige Pferd. Und da wirklich differenziert drauf zu gucken,
00:26:14: das finde ich immer ganz wichtig und nicht so pauschal sagen ist gut oder ist schlecht, sondern
00:26:18: wie ist es für mein eigenes Pferd und das dann in diesem eigenen Kontext ja wirklich einordnen
00:26:24: statt sich immer rechts und links zu vergleichen? Und vielleicht eben auch nicht für immer, also
00:26:28: dass man sagt, manche Lösungen sind halt wirklich eine Übergangslösung und ich bleibe da nicht
00:26:33: für immer. Also es ist häufig ja so, wenn es jetzt kein reiner Abriebschutz ist und da gibt es ja
00:26:38: mittlerweile so viele Möglichkeiten. Ich muss echt sagen, ich war zum Beispiel immer skeptisch,
00:26:41: auch mit Hufschuhen und so was. Also ich habe selber ein Pferd, was immer, was Beschlagen nicht
00:26:45: laufen konnte aus gewissen Fehlstellungen. Mittlerweile läuft er unbeschlagen und hat jetzt
00:26:52: eben Hufschuhe, wo ich immer gegen war und dann, ja, du hast aber nichts zu verlieren. Du sitzt ja
00:26:56: an der Quelle, lasst dich beraten von denen, die viel mit Hufschuhen arbeiten und probier mal ein
00:27:01: bisschen was aus und es gibt mittlerweile so viele Modelle, ich will jetzt auch nicht pro Hufschuhe.
00:27:05: Also es geht wirklich individuell, wie du schon sagst, aber wir haben heute so viele Möglichkeiten,
00:27:10: wir müssen nur genau hinschauen und vor allen Dingen nachfragen, nachfragen, nachfragen,
00:27:15: nachfragen. Nicht das erste Glauben, was einem jemand sagt, sondern immer wieder hinterfragen.
00:27:19: Und ich glaube, der Dienstleister, der kann nicht mehr gewillt ist, zu antworten. Gut, man muss damit
00:27:24: rechnen, dass man für zusätzliche Infos auch zahlen muss. Das ist aber, finde ich, auch völlig
00:27:28: legitim. Aber man muss die Möglichkeit haben, sich Meinungen einzuholen, sich Wissen anzueignen,
00:27:34: die Leute zu fragen, sich beraten zu lassen und ein guter Dienstleister in dem Pferdbereich ist,
00:27:39: glaube ich, jemand, der auch der andere Dinge zulässt, der auch gesprächsbereit ist und
00:27:44: kompromissbereit ist und der auch sagt, weißt du, was, komm, wir probieren das zusammen aus,
00:27:48: ganz neutral und offen für alles. Und dann muss man aber auch sagen, okay, wenn es mal wieder gut ist,
00:27:52: lässt man es auch wieder weg. Das sind solche Weihbeschläge. Für mich häufig auf Dauer nur
00:27:59: bei einem Pferd sinnmachen, was auch schon einen degenerativen Schaden hat. Also eine Erkrankung,
00:28:03: die wohl nicht wieder zu heilen ist. Da kann man vielleicht Sachen bequemer machen,
00:28:07: so Aufraugung an der tiefen Beugesehne. Da darf man langsam steigern, weil das wird auf Dauer
00:28:13: wahrscheinlich eher schlechter. Da ist für uns die Devise in meiner Therapie Restphysiologie erhalten.
00:28:18: Und das würde in dem Sinne dann ja auch ein Beschlag machen, der gut gemacht ist. Aber ein
00:28:24: gesundes Pferd ist erstmal natürlich, da darf man viel hinterfragen. Das ist genau richtig. Aber
00:28:30: auch bei einer Erkrankung, die wieder zu heilen ist, während es erkrankt ist, darf ich vielleicht
00:28:34: helfen, also schnell unterstützen, damit nicht noch mehr Schaden entsteht, was bei Entzündungszeichen
00:28:40: einfach der Fall ist, darf dann aber auch hinterfragen, wenn ich in einer anderen Phase der
00:28:44: Regeneration bin, sehen einen Schaden zum Beispiel. Da kann ich kurz entlasten. Da kann ich sagen,
00:28:49: ich mache irgendwie einen längeren Schenkel oder was auch immer und entlaste damit den Beugesehen
00:28:55: oder Fesselträgerbereich. Wenn ich aber dann wieder ins Antrainieren komme, kann es bei einem Pferd,
00:28:59: was vorher nie beschlagen war, eben sein, dass ich dann die Muskeln überlasse und das Knienproblematik
00:29:04: bekommt in der Hinterhand oder oder oder. Und da muss man halt einfach sagen, okay, da muss man
00:29:09: halt eng maschig hingucken und nicht sagen, ah, der lief jetzt damit drei Monate gut, das bleibt jetzt
00:29:13: für immer drauf. Ja, total wichtiger Punkt. Wir haben jetzt eben das Thema Physiotherapie und
00:29:20: Osteopathie schon mal kurz angerissen. Magst du da nochmal genau einordnen, was in welchem Fall
00:29:26: Sinn macht und was auch genau die Unterschiede sind zwischen Osteopathie und Physiotherapie?
00:29:31: Genau. In der Pferdotherapie ist das tatsächlich gar nicht so strikt getrennt. Also grundsätzlich,
00:29:38: wenn man es jetzt aus dem Humanbereich sehen würde, wäre es so, dass die Physiotherapie ist
00:29:44: halt Krankengemastik, manuelle Therapie, physikalische Therapie und die Osteopathie bezieht sich mehr
00:29:50: auch auf den Weg des Knochens, also auf die Gelenke, auf das, was mehr innen drin ist. Wenn man es streng
00:29:57: sagen und da werden jetzt einige auch wieder sagen, nee, aber so nicht genau. Ja, es ist immer so
00:30:01: ein bisschen Auslegungssache auch, muss man ganz ehrlich sagen. Also die Physiotherapie im
00:30:05: Humanbereich arbeitet eben wirklich viel mit Massagen, mit kräftigen Übungen, mit isometrischen
00:30:10: Übungen, mit Gewichten, mit ja, physikalischen Sachen wie Wärme, Kälte und so weiter. Und in
00:30:17: der Osteopathie kennt man, glaube ich, eher so dieses Knickknack, was auch nicht so wirklich stimmt,
00:30:22: also dass es immer knacken muss und so was oder dass man immer überhebel irgendwas einrenkt,
00:30:27: weil es gibt in der Osteopathie ja auch viele andere Strömungen. Es gibt auch energetische
00:30:31: Osteopathie, da wird gar nicht geknackt und es gibt halt kraniosakrale Therapie, es gibt
00:30:36: wisserale Osteopathie, die sich auf die Organe bezieht. Da gibt es viele Strömungen für mich im
00:30:42: Pferdebereich, weil es eben ja auch nicht staatlich geregelt ist. Bis jetzt, das muss man halt auch
00:30:47: einfach sagen, geht es Hand in Hand, weil ich immer sagen muss, wenn sich durch ein Trauma zum
00:30:52: Beispiel eine Gelenkachse verschiebt. Also nur minimal, da sprechen wir immer, wenn jemand sagt,
00:30:57: ein Wirbel ist ausgerenkt, das geht beim Pferd nicht. Also das geht sowieso nicht wirklich,
00:31:01: aber ein ausgerenkter Wirbel wäre querschnittsgelebt oder tot. Das heißt, wir sprechen von Verschiebungen,
00:31:08: die noch nicht mal sichtbar sind vielleicht, die würde man auf dem Röntgen vielleicht gar nicht
00:31:12: sehen. Aber wenn wir uns das so vorstellen, dass wir zwei Wirbel haben oder irgendein Gelenk und da
00:31:19: hat ein ganz straffes Gummit rüber, das sind eben die Stabilisatoren, das sind die äußeren
00:31:24: Bänder, die Kapsel von dem Ganzen und da würde nur minimalst, noch nicht mal um Millimeter sich
00:31:29: etwas verschieben. Habe ich auf den äußeren Strukturen ja sofort richtig doll Zug drauf.
00:31:33: Und dieser Zug überträgt sich eben über diese Messinstrumente, die diese ganzen Strukturen
00:31:39: innen haben auf die außen liegende Muskulatur. Das heißt, das was wir außen fühlen, diese Hauptbeweger,
00:31:45: diese großen Muskelgruppen, Biceps, Trizeps, was wir vielleicht von uns selber alle kennen,
00:31:49: das sind eigentlich dann nur die Auswucherungen von dem, was innerhalb des Gelenkes passiert ist.
00:31:55: So, und jetzt habe ich folgende Möglichkeit, jetzt kann ich Knack machen und kann die Gelenkachse
00:32:01: wieder in eine richtige Richtung bringen über einen Impuls. Könnte ich tun. Wenn ich dabei aber die
00:32:06: Hauptbeweger nicht gelockert habe, dann werden die sagen über ihre Messinstrumente, die Muskelspindeln
00:32:14: zum Beispiel, oh, das ist so aber nicht richtig, wir müssen mal noch mehr anspannen, weil jetzt ist
00:32:19: da wieder ein neuer Reiz, weil die waren ja eigentlich auf dieses Krankhafte von vorher oder das
00:32:23: Pathologische eingestellt. Dann halten die wieder fest, das heißt, das fährt läuft vielleicht zwei,
00:32:27: drei Tage besser, bis die großen Muskelgruppen sagen, wir müssen noch mehr festhalten, das ist so nicht
00:32:33: richtig und dann ist das Problem wieder da. Das kennt man vielleicht, haben vielleicht einige von
00:32:37: euch bei ihren Pferden schon erlebt, dass nach der Therapie besser war und dann wird es wieder
00:32:41: schlechter. Jetzt kann ich es auch andersrum machen und kann nur die großen Muskelgruppen massieren.
00:32:46: Dann läuft das Pferd vielleicht auch ein bisschen besser. Nicht so deutlich wie beim Knack, weil ich
00:32:51: ja noch nicht am Gelenk war, und das Gelenk immer noch Signale sendet und das ein bisschen
00:32:54: doller reagiert, weil es dem Körper immer wichtiger ist, innen liegende Strukturen zu
00:32:59: schützen als die großen Äußeren, weil die können gut kompensiert werden. Kennt man bei
00:33:03: Muskelfaserrissen, wenn Pferde überall so Dellen in der Muskulatur haben, so Junghängste oder so,
00:33:07: das müsste ja eigentlich ganz viel einschränken, macht es aber nicht, weil andere Muskeln das
00:33:12: mit übernehmen, die Arbeit. Also das sieht man fast nicht. So beim Gelenk ist das anders. So jetzt
00:33:17: kann ich nur diese großen Muskelgruppen massieren, aber nicht die Gelenkachse korrigieren, dann wird
00:33:24: das Problem auch wiederkommen. Das heißt, eigentlich geht es für mich immer Hand in Hand. Man kann
00:33:28: eigentlich nicht nur massieren, kranken Gymnastik, wenn dann ein Trauma zugrunde liegt. Man kann aber
00:33:33: eben auch nicht nur das Gelenk korrigieren und die Muskulatur außen vorlassen. Man sollte immer
00:33:37: beides ausführlich machen und auch diese physikalischen Therapien dürfen auch von Beiden
00:33:43: genutzt werden. Also grundsätzlich wäre eigentlich der Unterschied wirklich, dass eine mehr Muskeln,
00:33:47: das andere mehr Knochen und Gelenke. Ich finde aber nicht, dass man das trennen sollte.
00:33:52: Und dann gilt es wahrscheinlich für beides. Man muss die passende Frequenz für das jeweilige
00:33:59: Pferd finden, gucken, ist es jetzt ein Pferd, was grundsätzlich gesund ist, was vielleicht ein,
00:34:03: zweimal im Jahr komplett durchgecheckt werden sollte oder brauche ich da wirklich erhaltende
00:34:08: Therapiemaßnahmen zusammen mit dem Pferdepesitzer, die man dann eben regelmäßiger umsetzt.
00:34:13: Ja und das ist genau das, was wir mit diesen ökonomischen Bewegungsabläufen zum Beispiel
00:34:18: immer lernen. Das ist jetzt vielleicht ein schwieriger Begriff, aber ökonomische Bewegungsabläufe
00:34:22: sind einfach Einrichtungen wie bei uns zum Beispiel das Arme mit schwingen beim Laufen. Also wenn
00:34:27: ihr mal stramm spazieren geht und die Arme mal strackhaltet, werdet ihr merken, dass ihr relativ
00:34:32: viel mehr Muskulatur in den Oberschenkeln beansprucht, schon auf gerade Strecke im Vergleich zu,
00:34:38: wenn ihr locker mit schwingt mit den Armen. Und solche Einrichtungen, um Kraft zu sparen und
00:34:43: ökonomischer zu laufen hat das Pferd eben auch. Und je mehr die gestört sind durch irgendwelche
00:34:50: Schonhaltung, durch eine verstärkte natürliche Schiefe, durch Verdauungsproblematiken und so
00:34:54: weiter, weil Verdauungsproblematiken sich auch immer auf die Rotation der Wirbelsäule aus wirkt,
00:35:00: weil eben beim Pferd an den langen Querfortsätzen der Lendenwirbelsäule die Organe aufgehangen
00:35:05: sind. Das kennen wir vielleicht alle, wenn wir Richtung Verdauungssachen eben beim Pferd denken,
00:35:09: dass gerade so Kohle klingen, dann steht so ein Pferd auch mal anders da oder so. Und genau,
00:35:14: wenn wir da sehen, dass da Abweichungen gibt, dann muss man da eben gegenarbeiten, weil die
00:35:19: sich auf lange Sicht zu einer Überbelastung von einer Muskelgruppe zum Beispiel hinausweiten,
00:35:25: dann wird die Proprözeption, also die gesamte Körperwahrnehmung schlechter. Und wenn die schlechter
00:35:31: wird, kann es eher zu Traumata kommen, also dass so ein Pferd stürzt oder so. Das ist nämlich immer,
00:35:36: ich finde in vielen osteopathischen Büchern im Pferdebereich, steht immer dahinter, diese Lesion
00:35:44: kommt häufig vor, wenn das Pferd so und so weggerutscht ist oder wenn es mit dem Fuß irgendwo
00:35:49: hängen geblieben ist. Da wird viel auf Traumata eingegangen, aber ganz ehrlich aus Erfahrung,
00:35:55: die meisten Pferde, die sich wirklich verletzen, natürlich gibt es auch welche, die haben mal
00:35:58: einen Hängerunfall oder welche, die werden blöd getreten oder so. Aber selbst das wissen wir ja,
00:36:02: dass ein Pferd sich in der Herde schlechter behaupten kann, schon lange bevor es überhaupt
00:36:06: lahmt, merken die Pferde schon, dass mit dem irgendwas nicht stimmt und sondern den vielleicht
00:36:11: ein bisschen ab. Oder die Herde wird unruhiger, das merkt man ja manchmal an der Gruppe wirklich
00:36:15: schon. Und da hat das Pferd noch lange vielleicht für uns sichtbar noch gar nichts. Aber es ist
00:36:19: eben schon verändert in seiner Bewegung und die Pferde sind da viel feinfühliger wie wir. Deswegen
00:36:24: ist es halt immer so wichtig vorbeugend eben was zu tun. Bevor das Pferd gestürzt ist und wir
00:36:29: ein Trauma behandeln wollen, wollen wir doch eigentlich dazu hin kriegen, dass die Pferde
00:36:34: gar nicht erst so Traumata erleiden. Weil je besser wir uns wahrnehmen, das kennen wir alle,
00:36:38: jeder der schon mal eine Kletmaßel ruhig gestellt bekommen hat, weil er einen Bruch hatte, eine
00:36:42: Prellung, was auch immer, wird danach merken, dass man sich genau diese Sache häufiger stößt
00:36:48: oder verletzt, weil einfach die Körperwahrnehmung noch nicht wieder vollend star ist. Das heißt,
00:36:53: das bedingt sich auch da wieder gegenseitig, es potenzieht sich. Und da ist ja auch wieder
00:36:56: Thema Huf. Huf ist ein Tastorgan, bei wie vielen Pferden funktioniert es denn noch als Tastorgan?
00:37:01: Ja und gerade wenn ein Eisen drunter ist, dann funktioniert es halt auch nicht wirklich als
00:37:04: Tastorgan. Das muss ich auch tatsächlich dazu sagen. Genau und dann müsste man eben andere
00:37:09: Körperbereiche mehr in die Lasten oder in die Schuld nehmen und sagen, hier kommt,
00:37:12: da müsst ihr ein bisschen mehr arbeiten. Weil es gibt Gründe, wo man den Hufmechanismus
00:37:16: einschränken muss. Aber dann müssen wir erst recht, also ich glaube dieses Zusammenspiel
00:37:21: zwischen Huf und Körper, immer wenn am Huf was radikal verändert werden muss aus irgendwelchen
00:37:26: Gründen sollte klar sein, dass dann wird ein Therapeuten mit dazu zu kommen hat. Oder der
00:37:31: Hufbearbeiter, der sich eben in dem Bereich auskennt und die entsprechenden Tipps geben kann.
00:37:35: Ja deswegen finde ich es so wertvoll, dass gerade am LTC ja auch der Trend eher dahingeht,
00:37:40: dass Hufbearbeitung und Physiotherapie eben miteinander einhergeht. Dass wir dort viele
00:37:45: Physiotherapeuten haben, die mit der Ausbildung starten und dann sich entscheiden,
00:37:49: noch die Hufausbildung zu machen oder eben umgekehrt. Und es gibt ja jetzt auch den neuen
00:37:53: Ausbildungsgang, das wie heißt der? Therapeutischer Hufleger. Genau, der Therapeutischer Hufleger,
00:37:58: wo genau dieser Fokus eben gesetzt ist, dass man ja schon mal dem Pferdebesitzer da auch helfen
00:38:03: kann, wenn eben gewisse Auffälligkeiten bei der Hufbearbeitung da sind. Magst du da kurz noch
00:38:07: was zu erzählen? Ja sehr gerne, da haben wir jetzt den ersten Durchlauf und das ist halt dadurch,
00:38:14: dass ich ja diese Anatomie-Tage bei den Huflegern auch schon länger jetzt mitbetreue, immer mal
00:38:19: wieder ist es so, dass sich natürlich viele Sachen rauskristallisieren und es gibt so bestimmte
00:38:24: Auffälligkeiten, da ging es wirklich erst mal ums Verhalten beim Pferd, also dass zum Beispiel die
00:38:28: Pferde, warum zeigen die dies und das, also zum Beispiel ich nehme vorne hoch, vorne links gerne
00:38:34: und hinten rechts wird diagonal entlastet und man denkt sich dann, mein Gott, ist das Pferd blöd,
00:38:39: das kann doch auf drei Beinen stehen. Jetzt schwankt der hier so rum. Hast du einen relativ
00:38:43: stabilen, also sonst stabiles Pferd, ist das vielleicht noch in Ordnung, aber wie viel Probleme macht
00:38:47: das bei einem Pferd, was schon älter ist, was vielleicht andere Erkrankungen noch hat oder
00:38:50: ein ganz junges, was noch instabil ist, wenn die dann so rumschwanken, dann ist das für die
00:38:55: Bearbeitung ja total blöd oder man hat zum Beispiel Pferde, die ja in der Hinterhand geben, ganz brav
00:38:59: den Hinterhof und plötzlich ziehen die voll durch und da gibt es bestimmte Stellen am Körper,
00:39:04: woran das liegt und das hat eben aus therapeutischer Sicht, aus anatomischer Sicht irgendwie eine
00:39:11: Bewandnis, das kann die Fasze, zum Beispiel die Rückenfasze betreffen, die dann ein bisschen
00:39:14: verspannt ist oder bestimmte Knöchelchen, die sich nicht frei bewegen, weil das Pferd zu steil in
00:39:19: der Hinterhand steht, was ein häufiges Problem ist und daraus hat sich halt ergeben, dass ich an
00:39:24: diesen Anatomietagen diese einfachen Techniken immer schon mitgegeben habe und dann haben wir
00:39:28: gesagt, ja, aber eigentlich gehört ja noch mehr dazu. Also es gibt zum Beispiel ein paar Marker,
00:39:33: woran man erkennen kann, so ein Zehenenges oder Zehenweites Pferd sollte ich das umstellen, ja
00:39:38: oder nein, ist das eher knöchern, ist das eher muskulär, weil es eben Rotatoren gibt an den
00:39:44: Gliedmaßen, sowohl hinten als auch vorne, also die, wenn sie übermäßig ziehen, die Gliedmaße
00:39:49: in eine Rotation ziehen als Ausweichbewegung oder Ausgleich oder eben einfach Schonhaltung und
00:39:55: das zu erkennen und zu gucken, darf ich jetzt schon gegenarbeiten oder wird es dem Pferd dann
00:40:01: unbequem und es läuft dann eher schlechter oder ich sorge sogar für eine Entzündung auf lange Sicht,
00:40:07: die dann irgendwie Schaden anrichtet, das gehört halt in dieser Ausbildung mit rein und dann eben
00:40:11: auch leichte Tipps, die man Besitzer mitgeben kann, so wie man die Bearbeitung dann einfach
00:40:15: angenehmer gestalten kann. Das ist ja auch für dich ein großes Anliegen immer oder für dich eine
00:40:21: Herzensangelegenheit, die Bearbeitung entspannt zu gestalten und ich glaube, das kann man noch
00:40:25: mehr, wenn man auch den Körper und nicht nur die Psyche versteht, weil man sich natürlich häufig
00:40:29: die Frage stellt, kann der nicht oder will der nicht? Ja, gerade wenn man da vielleicht nicht so
00:40:34: das Gespür für hat. Ich habe das von Anfang an gehabt, dass ich ganz oft zu den Besitzern gesagt
00:40:38: habe, ich habe da irgendwie so ein Gefühl, dass das nicht auf Verhaltensebene ist, sondern dass
00:40:43: der Körper da einfach nicht mitspielt, weil ich das an den Spannungszuständen, die ich in der Hand
00:40:48: hatte, also wenn ich einen Huf hochnehme, dann passiert das mit ganz unterschiedlichen Spannungszuständen.
00:40:52: Bei den einen Pferden ist es so, dass die ganz freiwillig den Huf geben, der ist ganz locker,
00:40:57: ich kann den sogar leicht wackeln und andere Pferde, die spannen da so total gegen und je nach
00:41:02: Spannungszustand finde ich, kann man das auch schon ganz gut erspüren. Ist das jetzt was auf mentaler
00:41:06: Ebene oder ist da wirklich der Körper, der blockiert, weil sich das für mich einfach anders anfühlt beim
00:41:11: Hochnehmen, aber ich konnte das nie so richtig fest auf den Punkt bringen und deswegen habe ich mich
00:41:16: eben dazu entschieden, die Physiotherapieausbildung noch eben zu machen, weil ich jetzt das viel
00:41:20: besser einordnen kann und mir dann das Pferd noch mal in der Bewegung ganz anders anschauen kann,
00:41:24: anfassen kann und genau sagen kann, ah, es kann sein, dass das hier aus dieser Thematik heraus
00:41:29: kommt und dass wir das erst lösen müssen, damit wir eben das Pferd dann auch wieder entspannt
00:41:33: in die Hufbearbeitung bekommen und da finde ich eben auch dieser Zusammenspiel von psychisch und
00:41:38: körperlicher Komponente nochmal super spannend, weil das natürlich auch ganz eng miteinander verbunden
00:41:43: ist. Ja, also das ist tatsächlich das und ich glaube, da kann man sich auch wirklich, das kann
00:41:48: man sich nur immer wieder in Erinnerung rufen, es gibt beim Pferd bestimmte Muskelgruppen oder
00:41:53: Muskeln, die man auch als Fluchtmuskel bezeichnen kann und wenn die mehr anspannen müssen, sei es
00:41:58: jetzt wegen einer Schonhaltung. Also das möchte ich glaube ich mitgeben, dass was wir als Unterhaltsmuskel
00:42:03: bezeichnen, den wir ja immer wegtrainieren wollen in irgendeiner Art und Weise, weil das weiß man
00:42:07: irgendwie, dass das nicht gut ist, wenn ein Pferd einen stark ausgeprägten Unterhalt hat, aber
00:42:11: das ist der brachehocephalikus, also der Oberarmkopfmuskel und der ist stark verknüpft mit dem
00:42:19: vegetativen Nervensystem, also Sympathikus parasympathikus. Den spülen wir ja selbst bei uns noch,
00:42:25: also der Parasympathikus wäre rest and digest, also ruhen und verdauen und der Sympathikus wäre
00:42:31: eben fight and flight, also Flüchten und Kämpfen und wenn der Sympathikus mehr aktiviert ist,
00:42:38: dann spannen automatisch diese Sachen wie der Rückenstrecke, der Unterhaltsmuskel und so mit an.
00:42:44: Die Verdauung wird ein bisschen schlechter oder bzw. die Verdauungsorgane werden nicht mehr gut
00:42:48: durchblutet, was dann hinterher noch zu weiterführenden Problemen auch nach der Hufbearbeitung
00:42:53: führen kann, wenn das Pferd dann wieder mit Kotwasser oder Durchfall auf dem Pferd kommt,
00:42:56: weil sich so aufgeregt hat. Aber wir sind ja natürlich im Bewegungsapparat auch viele Sachen,
00:43:01: wie zum Beispiel die lange C der Vorhand, macht eine Veränderung am brachehocephalikus, also weil
00:43:07: dann muss das Pferd mehr über diesen anheben, es sind keine ökonomischen Bewegungsabläufe mehr und
00:43:12: dann trainiert er sich mehr auf und das kann dafür sorgen, dass das Pferd stressiger wird, also
00:43:17: jemanden fährt, was vorher total entspannt war, wird plötzlich total stressig, weil dieser Muskel in
00:43:24: der Überspannung ist und dann ist es eben nicht damit getan, da Ausbündner dran zu machen, weil das
00:43:29: fährt dann trotzdem dagegen spannend. Also da muss man sich die Anatomie da einfach noch mal mehr
00:43:34: angucken, da gibt es ja viele Möglichkeiten eben, wie man sich da wissen aneignen kann. Da sollte
00:43:39: man sich als Reiter und Pferdbesitzer mehr mit befassen. Nur das wirkt sich ja ganz direkt aus
00:43:45: und genauso ist auch so ein Selbstläufer, wenn zum Beispiel dieses Knöchelchen der Hinterhand,
00:43:49: wo ich nur bei einem zu steinen Hinterbein von gesprochen hatte, wenn das blockiert oder
00:43:54: eine Bewegungseinschränkung zeigt, eine Lesion zeigt, blockieren ist ja nicht ganz richtig,
00:43:59: dann ist die Durchblutungssituation der Hinterhand ein bisschen schlechter und jetzt nehme ich das
00:44:03: Bein hinten hoch, eine längere Zeit auf dem Bock, fährt es ganz, ganz brav, aber dann fängt das
00:44:08: Bein an zu kribbeln, weil es bei uns auch so, wenn es Bein vorher nicht gut durchblutet war und ein
00:44:11: bisschen eingeschlafen, dann fängt es ja erst dann an zu kribbeln, wenn es aufwacht. Und dann zieht
00:44:15: das Pferd vielleicht das Bein weg und haut einmal richtig aus oder schüttelt oder stampft auf. Ja,
00:44:21: was kriegt das Pferd in dem Moment? Voll eine Übergebraten, weil der hat ja nach dem Hufleger
00:44:25: getreten. Und das ist ein Selbstläufer. Natürlich wird das Pferd beim nächsten Mal das Bein nicht
00:44:31: wieder hoch geben und das einschätzen zu können oder vielleicht sogar, wenn ich sehe, das Pferd hat
00:44:35: eine steile Hinterhand, schon mal zwei, drei Übungen von vornherein einzubauen, gar nicht erst
00:44:40: drauf zu warten, dass er erst was zeigt oder auch das Thema öfter mal absetzen und laufen lassen.
00:44:46: Ich sehe fast keinen einzigen oder Saar bisher, fast keinen Hufleger oder Schmied, der die Pferde
00:44:53: zwischendurch mal laufen lässt. Mal nachspüren, mal den Huf nachspüren, den ich gerade gemacht habe,
00:44:58: bevor ich an den nächsten gehe. Ja, und da sieht man tatsächlich häufig auch ähnliche Reaktionen,
00:45:02: wie eben bei der Physiotherapie, dass man Pferde hat, die abkauen, die lecken, die ganz zufrieden,
00:45:07: in die Entspannung gehen, weil sie einfach, ja, auch wenn ich eine Hufumstellung habe, gerade wenn
00:45:13: ich nur in sechs oder acht Wochen rhythmisch bearbeite, dann ist das für das Pferd ja auch erst
00:45:17: mal was, was wieder nachgespürt werden muss, wo das Pferd erst mal wieder den Körper ganz anders
00:45:21: wahrnimmt. Und dafür finde ich das super wichtig, dass man das gemacht. Ja, man kann eh nie genug
00:45:26: laufen. Das Pferd ja sollte ja eigentlich einen ganzen Tag laufen. Und das heißt, je öfter ich es
00:45:31: schaffe im Alltag. Und wenn es nur viele denken, ja, immer wenn ich nicht mindestens 20 Minuten
00:45:37: im Trab und Galopp das Pferd irgendwie an der Longe hatte, dann hat es nicht genug getan. Und
00:45:40: da gibt es so viele Möglichkeiten. Also damit habe ich ja extra dafür Themenabende schon gemacht
00:45:47: und so was, damit ich das einfach noch mehr zugänglich machen kann. Gerade jetzt im Winter war
00:45:51: das ja auch ein Thema, wenn man keine Halle hat. Und es war bei uns lange gefroren, also zwei Wochen,
00:45:55: wo wir wirklich den Hof kaum verlassen konnten. Aber da gibt es Möglichkeiten effektiv, das Pferd
00:46:01: zumindest gesund erhalten zu bewegen. Und dazu gehört Schritt, Schritt, Schritt. Also jede Runde,
00:46:08: die ich das fährt und wenn es nur auf dem Paddock im Kreis ist, führe. Was weiß ich, ich mache
00:46:13: drei Haufen Apple weg, führe das Pferd eine Runde, mache nochmal drei Haufen Apple weg. Das ist
00:46:18: schon deutlich mehr für die Gesundheit des Pferdes, als nichts zu machen und auch deutlich mehr für
00:46:23: die Gesundheit des Pferdes, als es rauszuholen. Mit 8 und Kracht 3 bis 5 Minuten Schritt zu laufen,
00:46:29: dann schnell 20 Minuten irgendwie im Trabjagen, was übrigens eine sehr anstrengende Gangart für
00:46:34: die Sehnen und Bänder ist. Da sollte man vielleicht auch ein bisschen mehr lernen,
00:46:37: wie die Regenerationszeiten sind, damit Schäden nicht entstehen. Also solange wie zu Traben noch
00:46:43: Joggen gesagt wird im Gebrauch vom Menschen, sind wir wirklich immer noch auf einem schlechten Weg.
00:46:48: Also das sollte man noch lernen, dass Traben nicht das Gleiche ist wie Joggen bei Menschen.
00:46:53: Ja und da hält irgendwie so viel zusammen. Das könnte man jetzt noch üblich weiter sprechen.
00:47:00: Ja, wir haben auch schon eine Dreiviertelstunde voll. Wir wollten eigentlich noch über das Thema
00:47:04: Kompensationshaltung bei dem Spezial-Trimmer Hufree sprechen. Wir vorschlagen Sarah, dass wir hier
00:47:10: an der Stelle einen Cut machen und noch eine zweite Folge bei Zeiten aufnehmen, damit wir in diesem
00:47:16: spannenden Thema auch noch gerecht werden. Es war genau richtig, dass wir den Themen, die jetzt gerade
00:47:20: gekommen sind, so viel Raum gegeben haben, weil sie, wie ich finde, auch super wichtig sind für
00:47:24: viele Pferdebesitzer, einfach diese Zusammenhänge mal aus unserer Perspektive einfach noch mal zu
00:47:30: hören. Wenn du Lust hast, lass uns zu dem anderen Thema noch mal eine zweite Folge aufnehmen.
00:47:35: Sehr gerne, ja. Ja, sehr schön. Dann würde ich vorschlagen, wir machen hier an der Stelle einen
00:47:40: Cut und es gibt dann eine nachfolgende Folge, wo wir das andere Thema noch mal ein bisschen in die
00:47:45: Tiefe ansprechen und ich hoffe, dass ihr alle wieder einschaltet und auch die zweite Folge dann euch
00:47:51: weiter anhört.
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