#14: Harte Schale, weicher Kern - Der Hufmechanismus
Show notes
Die Hufe bilden das Fundament des Pferdes und sind elementar wichtig für dessen Balance und Gesundheit. In der aktuellen Folge erfährst du, was der Hufmechanismus des Pferdes ist, wie er funktioniert und wozu das Pferd einen gut funktionierenden Hufmechanismus benötigt.
Wenn du Fragen zur heutigen Folge oder weitere Themenwünsche rund um die Themen Pferdeverhalten, Persönlichkeitsentwicklung oder Pferdehuf hast, schreib mir gerne eine E-Mail an hallo@equibu.de oder über meinen Instagram Account @sarah_equibu.
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Show transcript
00:00:05: Sarah Hallo und herzlich willkommen bei Pferd und Mensch in Balance, dein Podcast zu den Themen Pferdeverhalten, Persönlichkeitsentwicklung und dem Aufbau einer vertrauensvollen Pferd Mensch Beziehung. Ich bin Sarah Busch, Wirtschaftspsychologin, Pferdeverhaltensberaterin und Hufpflegerin. Du bekommst von mir in diesem Podcast jede Woche spannendes Wissen, um dein Pferd noch ein bisschen besser zu verstehen.
00:00:37: Sarah Heute möchte ich euch in der Podcast Folge etwas über den Hufmechanismus des Pferdes erzählen. Denn in Gesprächen mit Pferdebesitzern fällt mir immer wieder auf, wie wenig Pferdebesitzer zum Teil über das Konstrukt Huf wissen und dass das immer noch ein Bereich ist, wo wir viel Schulungsbedarf haben und mit dem sich Pferdebesitzer eher auseinandersetzen, wenn es in dem Bereich schon Probleme gibt, der sonst aber eigentlich vollständig dem Hufpfleger oder Hufschmied überlassen wird. Und da bin ich der Meinung, dass Pferdebesitzer da durchaus auch Bescheid wissen sollten, denn schließlich ist der Pferdehuf das Fundament des ganzen Tieres. Und wenn es da Probleme gibt, die Balance fehlt und Krankheiten entstehen, wirklich auch Probleme auftreten, die sich durch das ganze Pferd ziehen. Und natürlich auch umgekehrt, wenn es im Bewegungsapparat Probleme gibt, die nicht rechtzeitig gesehen erkannt werden, dann kann sich das ebenfalls umgekehrt auf die Hufsituation auswirken.
00:01:39: Sarah Und der Hufmechanismus spielt da eben eine entscheidende Rolle. Wenn wir uns den Huf des Pferdes jetzt von außen anschauen, sieht er ja sehr kompakt und fest aus, denn er wird von der Hufkapsel umhüllt. Und diese Hufhornkapsel, die ist dominiert von Harthornanteilen in der Außenschicht. Und diese Harthornanteile haben vor allem auch eine Schutzfunktion, die den Huf eben vor mechanischen, äußeren Einflüssen, wie zum Beispiel Schlägen schützt, aber auch vor chemischen oder thermischen Einflüssen, wenn zum Beispiel der Untergrund besonders warm oder kalt ist, dass die Pferde da eben diese thermischen Unterschiede erstmal auf den ersten Blick nicht erfühlen können. Der Pferdehuf hat aber auch jede Menge Weichhornanteile.
00:02:26: Sarah Zum Beispiel gehört der Strahl des Hufes zum Weichhornanteil und auch die inneren Strukturen sind eher weich und flexibel, bis auf natürlich die Knöchernen Strukturen wie das Hufbein, da haben wir natürlich auch feste Strukturen, aber drumherum zwischen quasi dem Hufbein und der äußeren Harthornschicht ist natürlich auch viel weiches Material, das sehr stark durchblutet ist und dementsprechend flexibel ist. Auch der Pferdehuf und der Hufmechanismus an sich beschreibt eben diese Flexibilität in Bewegung. Von der Verteilung haben wir im hinteren Hufbereich, da wo die Hufballen und der Strahl sind, einen höheren Weichhornanteil und zur Zehe hin ist die äußere Schicht des Hufes durch die kompakte Sohle und auch die äußere Hornwand eher fest und von Harthornanteilen dominiert. Und wenn der Pferdehuf dann jetzt auffusst in der Bewegung, dann weitet sich der Huf vor allem im hinteren Teil des Hufes, denn dort sind ja die Weichhornanteile dominanter und so kann quasi dieser weiche, flexiblere Teil sich ausweiten, was dazu führt, dass es auf der einen Seite einen stoßdämpfenden Effekt gibt, denn diese ganzen Strukturen müssen ja unwahrscheinlich viel Maße aufnehmen in der Bewegung, dadurch dass das Pferd relativ groß ist und dadurch eine große Bewegungsenergie entsteht. Und die kann dann durch dieses Weiten der Hornkapsel in die Verformungsenergie in diesem Weitungsprozess umgelenkt werden und hat zudem auch eine stützende Funktion, dass eben die Lastaufnahmekapazität in dem Moment des Auffussens höher ist, als wenn die Kapsel sehr eng ist.
00:04:19: Sarah Beim Abfussen haben wir dann den genau entgegengesetzten Effekt. Die Hornkapsel würde sich in dem Moment des Abfussens dann wieder in die Ursprungsform zurückbewegen, also wieder kleiner werden und hat damit wieder die stabilisierende Funktion, gerade auch von der Zehe vorne, die ja eh schon kompakter und fester ist, dass diese hier als Hebel genutzt werden kann und eben den Bewegungsschub, der durch die Bewegung entsteht, in eine Bewegungsrichtung bringen kann und durch die Hebelwirkung dann zielgerichtet nach vorne bringt, ohne dass Energieverlust entsteht. Denn wären die vorderen Strukturen in dem Bereich weich, würde ja auch wieder Energie absorbiert werden und diese Hebelwirkung könnte nicht in Bewegung nach vorne gerichtet umgewandelt werden. Und mit diesem Prozess des Weitens bekommen wir dann ein optimales Verhältnis von Energieabsorption und Energieabgabe in Form der Hebelwirkung was den Effekt hat, dass im Moment des Auffussens die Gelenke geschont werden. Denn ein Großteil der Energie, die sonst ungefiltert auf die Gelenke stoßen würde, wird in dem Moment schon bevor das Hufbein überhaupt in die Last genommen wird, abgefedert, sodass dann immer mehr Energie bis in die oberen Gliedmaßen aufgefangen wird.
00:05:39: Sarah Trotzdem haben wir dann durch die Zehe, die eben sehr fest und kompakt ist, nicht die komplette Energie geschluckt, sondern das Pferd hat immer noch genug Möglichkeit, diese Energie dann in eine Vorwärtsbewegung umzusetzen und so zu nutzen, dass es möglichst schonend in die Vorwärtsbewegung gehen kann. Also wie ihr hört, ein sehr komplexes und gleichzeitig durchdachtes Konzept, sodass das Pferd eben möglichst wenig verschleißt und trotzdem als Fluchttier nach vorne gehen kann und so schnell in die Bewegung kommt. Vielleicht hast du auch schon mal etwas von dem Begriff Hufherz gehört. Ein weiterer Effekt des Hufmechanismus ist nämlich auch die Pumpfunktion, die es für das Blut und die Lymphe hat. Und zwar ist das Pferdeherz verhältnismäßig, die Größe des Pferdes relativ klein und wir haben ja den Effekt beim Pferd, dass wir einen relativ kompakten Rumpf haben und im Verhältnis dazu relativ lange Gliedmaßen, die ja ebenfalls mit Blut und Lymphflüssigkeit versorgt werden müssen.
00:06:45: Sarah Und das Herz bräuchte relativ viel Energie und müsste eigentlich größer sein, um eben auch diese langen Gliedmaßen mit versorgen zu können. Und so hat diese Funktion des Weitens und wieder Zusammenziehen des Hufes auch die Funktion, dass das Blut zurück in den Körper in den Rumpf begleitet wird, gepumpt wird und die Hufe somit diesen Fluss unterstützen. Gleiches gilt auch für die Lymphgefäße, die ebenfalls durch diese Pumpfunktion der Hufe mit unterstützt werden und so auch einen wesentlichen Anteil am Kreislaufsystem des Pferdes hat. Und wenn du das so hörst, dann kannst du dir vielleicht vorstellen, dass der Hufmechanismus eine besondere Bedeutung für das Pferd und die Pferdegesundheit hat und warum es so wichtig ist, dass wir die Pferdehufe möglichst in eine gute und natürliche Balance bringen, damit eben der Hufmechanismus einwandfrei funktionieren kann und sowohl die Bewegung als auch eben das Kreislaufsystem optimal umgesetzt und unterstützt werden können. Es gibt immer auch Situationen, in denen der Hufmechanismus eingeschränkt ist.
00:07:56: Sarah Das kann zum einen eine nicht korrekte Hufbearbeitung sein, auch Barhuf, wenn zum Beispiel der Huf so bearbeitet wird, dass sich ein Trachtenzwang entwickelt. Das bedeutet, dass die hinteren Strukturen im Ballenbereich und im Bereich des Strahls sehr eng sind im Verhältnis zum gesamten Huf, also nicht optimal ausgebildet sind und damit auch die Hornkapsel kleiner ist als gewöhnlich und der Hufmechanismus nicht so funktionieren kann, wie er eigentlich funktionieren sollte, denn der Huf kann sich nicht auf die optimale Größe weiten. Da müsste man dann mit der Bearbeitung entgegensteuern, indem man den hinteren Bereich des Hufes weitet und wieder in eine optimale Position bringt, sodass die Strukturen wieder optimal einsinken und sich weiten können. Es kann aber auch sein, dass ein Hufmechanismus durch einen nicht korrekt angebrachten Beschlag beeinflusst werden kann. Das kann zum Beispiel sein, wenn die Schenkel des Eisens zu eng angelegt werden und der Hufmechanismus dadurch ebenfalls zum Beispiel gestört wird oder nicht richtig arbeiten kann und der Huf auch damit dann künstlich in eine Zwangssituation gebracht wird, die eigentlich gar nicht sein sollte oder sein müsste.
00:09:12: Sarah Die Konsequenz von so einem zu engen Beschlag oder auch einer unpassenden und physiologischen Barhufbearbeitung kann eben sein, dass die Energie nicht richtig absorbiert werden kann, somit die Gelenke zu stark belastet sind und sich Krankheiten ausbilden, wie zum Beispiel Arthrosen oder Sehnenschäden, dadurch, dass die Sehnenstrukturen ja auch zu stark belastet werden können. Und es kann auch zu Phänomenen kommen, wie zum Beispiel der bekannten Strahlfäule, die ja auch viele Pferde betrifft. Die muss nicht immer nur ausgelöst sein durch Bakterien, sondern kann auch daraus resultieren, dass eben der Bereich des Hufes nicht vernünftig genutzt wird, nicht vernünftig durchblutet wird und damit Bakterien natürlich mehr Potenzial haben, sich anzusiedeln und dass die Strukturen schneller angreifen können. Und wenn eben dieser Bereich gequetscht wird, bieten sich natürlich auch mehr Flächen, wo sich eben Bakterien dann in die tiefe mittlere Strahlfurche hineinsetzen können. Jetzt fragst du dich sicher, wie du für dein eigenes Pferd beurteilen kannst, ob der Hufmechanismus gut funktioniert und einwandfrei für die Pufferungswirkung und die Blutpumpe, das Hufherz wirken kann und dafür kannst du dir einmal die Balance des Hufes von deinem Pferd anschauen, ob der optimal in der Form ist, gut bearbeitet ist und nicht in einer Zwangssituation ist.
00:10:38: Sarah Du kannst auch gerne beim nächsten Bearbeitungstermin deinen Hufpfleger oder Schmied des Vertrauens mal darauf ansprechen und mal danach fragen, wie der oder diejenige die Hufsituation einschätzt. Und wenn du dich selber mehr zu dem Thema bilden möchtest, schau doch gerne auch mal auf meinem Instagram Kanal vorbei, Da habe ich in den letzten Tagen auch immer mal was gepostet und werde auch weiterhin Referenzpunkte posten, an denen du erkennen kannst, ob der Huf von deinem Pferd in der optimalen Balance ist und wie du das selber einschätzen kannst. Wenn du da eine professionelle Meinung haben möchtest oder eine Zweitmeinung haben möchtest, dann sprich mich gerne auch an. Ich biete auch Online Hufanalysen an, wo du dir von mir einmal eine Zweitmeinung einholen kannst zu den Hufen deines Pferdes und da von mir Feedback zu bekommst. Wenn dich das interessiert, dann schreib mich gerne an über die E Mail Adresse, die ich dir will, wieder unten verlinke oder auch über Instagram, dann kommen wir da bestimmt zusammen.
00:11:39: Sarah Und ich kann dir noch ein paar hilfreiche Tipps für die Hufbearbeitung deines eigenen Pferdes geben. Das ist besonders hilfreich, wenn man die Hufe der eigenen Pferde vielleicht auch selber bearbeitet und einfach mal gucken möchte, wie denn da so der Stand der Dinge ist. Denn es ist manchmal hilfreich, sich da mal zwischendurch immer einen neutralen Blick von außen reinzuholen, um zu schauen, ob man da auch in die richtige Richtung geht und die Hufe optimal selber bearbeitet. Ich hoffe, dass du auch aus dieser Folge wieder jede Menge Input mitnehmen konntest. Freue mich wie immer über dein Feedback zu diesem Podcast, eine 5 Sterne Bewertung auf Spotify oder Apple Podcast.
00:12:17: Sarah Und wenn du Themenwünsche hast, Themen, die dich brennend interessieren, dann schreib mir auch die gerne, dann gehe ich auch in diesem Podcast gerne auf eure Themenwünsche ein. Dann wünsche ich dir jetzt erstmal viel Spaß beim Umsetzen des Gelernten, beim Beobachten der Pferdehufe und wünsche dir eine gute Zeit mit deinem Pferd.
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